Laravel gehört heute zu den einflussreichsten PHP-Frameworks. Wie verändert Laravel die Schweizer Tech-Landschaft? Wir haben mit Stefan Zweifel, Co-Präsident der Swiss Laravel Association, sowie mit Serg Tonkoshkuryk gesprochen, der eine zentrale Rolle bei der Entwicklung der Cloud-Management-Plattform Xelon HQ gespielt hat.
Xelon: Wie würdet ihr Laravel Menschen erklären, die keinen technischen Hintergrund haben?
Serg Tonkoshkuryk: Laravel ist im Grunde ein Framework, also ein Open-Source-Baukasten aus Tools und Best Practices, mit dem man Anwendungen entwickeln kann. Ich vergleiche es gerne mit Lego: Statt alles von Grund auf neu zu bauen, hat man bereits fertige Bausteine, die man zusammensetzen kann, um etwas Eigenes zu schaffen. Dies kann eine Website sein, eine Plattform wie die Schweizer Cloud-Management-Plattform Xelon HQ oder praktisch jede andere Art von Anwendung.
Stefan Zweifel: Für mich ist Laravel wie ein grosses Fachgeschäft für Handwerker. Wenn ich als Schreiner etwas bauen möchte, gehe ich hinein und finde genau das, was ich brauche. Das Laravel-Ökosystem und die vielen Community-Packages bieten fertige Lösungen, die Entwicklerinnen und Entwickler auf der ganzen Welt gebaut haben. Man wählt einfach das Passende aus und integriert es in die eigene Anwendung.
Wie seid ihr persönlich zu Laravel gekommen, und was begeistert euch heute noch daran?
Serg: Ich habe etwa 2015 mit Laravel angefangen, als ich bei einer Outsourcing-Firma in Kyjiw gearbeitet habe. Wir hatten viele Kunden mit unterschiedlichen CRM- und ERP-Systemen, und unser Team Lead war damals sehr skeptisch gegenüber Frameworks. Wir haben sogar ein eigenes, einfaches MVC-Framework gebaut. Das funktionierte zwar, war aber schwer zu skalieren und für neue Entwicklerinnen und Entwickler nicht einfach zu verstehen. Irgendwann bin ich dann auf Laravel gestossen – und es hat sofort Klick gemacht. Im Vergleich zu Alternativen wie Symfony fühlte es sich für unsere Bedürfnisse deutlich einfacher und effizienter an. Als ich später selbst Team Lead wurde, habe ich entschieden, Laravel im nächsten Projekt einzusetzen. Sehr schnell wurde es zu unserem bevorzugten Framework. Was mich bis heute begeistert, ist genau diese Balance aus Einfachheit, Effizienz und Skalierbarkeit.
Stefan: Meine Geschichte ist sehr ähnlich. Ich habe Laravel erstmals um 2014 oder 2015 angeschaut, nachdem ich auf Twitter immer wieder davon gelesen hatte. In meinem damaligen Job arbeiteten wir mit CodeIgniter, und ich fand es kompliziert und mühsam in der Anwendung. Laravel wirkte dagegen sauber und intuitiv. 2016 haben wir dann begonnen, unsere Hauptapplikation in Laravel neu zu schreiben. Was mich heute besonders begeistert, ist, dass Laravel klare Wege vorgibt, wie man Dinge umsetzt. Egal ob es um E-Mails oder Hintergrundprozesse geht: Das meiste, was man braucht, ist bereits integriert. Gleichzeitig entwickelt sich Laravel stetig weiter, zum Beispiel mit neuen Themen wie KI, bleibt dabei aber stabil und gut wartbar.
Welche Arten von Unternehmen in der Schweiz setzen heute auf Laravel?
Stefan: Wir haben dazu zwar noch keine Umfragezahlen, aber aus Sicht der Laravel Association ist die Bandbreite sehr gross. Hosting-Unternehmen zum Beispiel bauen ihre internen Management-Systeme mit Laravel neu auf und zum Anwendungsgebiet reicht von der Serverbereitstellung über DNS-Management bis hin zur Abrechnung. Auch Agenturen setzen stark auf Laravel, insbesondere in Kombination mit CMS-Lösungen wie Statamic oder October CMS, um Corporate Websites oder Landingpages zu realisieren. Zudem haben wir gesehen, dass auch grosse Pharmaunternehmen Laravel intern für Tools einsetzen. Insgesamt umfasst das Spektrum also kleine Zwei-Personen-Firmen bis hin zu Organisationen mit mehreren tausend Mitarbeitenden.
Könnt ihr ein Projekt beschreiben, bei dem Laravel einen echten Unterschied gemacht hat?
Stefan: Ein Beispiel aus meiner eigenen Arbeit war der Neuaufbau einer Marketing-Datenplattform. Wir haben Daten von Google, Meta und Bing zusammengeführt und daraus ein automatisiertes Kampagnen-System gebaut, das Budgets in Echtzeit anpassen konnte. Die Marketing-Teams waren begeistert, weil die Benutzeroberfläche schnell und reaktionsfreudig war – und zwar deutlich schneller als die nativen Tools der grossen Werbeplattformen. In einem anderen Unternehmen hat uns die Migration von CodeIgniter zu Laravel ermöglicht, Tests einzuführen und die Applikation deutlich einfacher zu skalieren. Über mehrere Jahre hinweg konnte das Unternehmen seinen Umsatz verdreifachen – unter anderem, weil die Entwicklung schneller und zuverlässiger wurde.
Serg: Bei Xelon ist es ähnlich. Das ursprüngliche MVP der Cloud-Management-Plattform Xelon HQ wurde von unserem Gründer Michael mit Laravel gebaut. Seitdem haben wir die Plattform zwar mehrmals überarbeitet, aber Laravel hat es uns ermöglicht, schnell zu starten und anschliessend sauber zu skalieren. Für uns ist das eine echte Erfolgsgeschichte.
Wir sehen eine wachsende Nachfrage nach Open-Source-Technologien wie Laravel. Warum ist das aus eurer Sicht so?
Serg: Open Source gibt einem Kontrolle und Transparenz. Bei Xelon haben wir Vendor Lock-in mit proprietärer Virtualisierungssoftware selbst erlebt, und das war einer der Gründe, weshalb wir auf Open-Source-Lösungen wie Proxmox umgestiegen sind. Bei Open Source kann man den Code einsehen, selbst beitragen oder ihn an die eigenen Bedürfnisse anpassen, statt bei Problemen auf ein Ticket und die Reaktion eines Herstellers zu warten. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Community. Gerade bei Laravel findet man für fast alles Beispiele, Libraries und Know-how – sei es für Payments, E-Mails oder Integrationen. Dieser Austausch beschleunigt Entwicklung und Innovation enorm.
Stefan: Da bin ich ganz bei Serg. Open Source ermöglicht es, Code auf Sicherheitslücken zu prüfen und Probleme bei Bedarf selbst zu beheben. Auch der Wissenstransfer ist viel einfacher. Ich habe kürzlich den Job gewechselt, und weil in beiden Unternehmen Laravel im Einsatz war, konnte ich innerhalb weniger Tage produktiv arbeiten. Diese Art von Übertragbarkeit gibt es bei vielen proprietären Systemen schlicht nicht.
Die Laravel Association bringt die Schweizer Laravel-Community zusammen. Wie gelingt euch das?
Stefan: Wir organisieren monatliche Meetups in verschiedenen Städten in der ganzen Schweiz, unter anderem in Zürich, Basel, Bern, Genf, Luzern oder Zug. Zusätzlich betreiben wir einen Discord-Server, WhatsApp-Gruppen und einen Newsletter, um die Leute miteinander zu vernetzen und auf dem Laufenden zu halten. Darüber hinaus veranstalten wir auch spezielle Events, zum Beispiel ein Weihnachtstreffen, oder organisieren gemeinsame Reisen zu Konferenzen wie der Laracon EU. In Zukunft würden wir gerne Hackathons durchführen oder mit Schulen zusammenarbeiten, um Laravel auch Studierenden näherzubringen.
Xelon ist Sponsor der Laravel Association. Wie unterstützt diese Zusammenarbeit eure Mission?
Stefan: Xelon ist ein Gründungssponsor, und diese Unterstützung hilft uns, grundlegende Dinge wie Essen, Getränke oder kleine Geschenke für Speaker an den Meetups zu finanzieren. Ausserdem stellt ihr uns Locations zur Verfügung, zum Beispiel euer Büro in Zug. Das ist besonders wichtig, um auch Entwicklerinnen und Entwickler zu erreichen, die nicht extra in grössere Städte reisen möchten. Neben der finanziellen Unterstützung gibt es aber auch Hilfe auf inhaltlicher Ebene – etwa durch Ideenaustausch, Zusammenarbeit oder Content-Erstellung. Dafür sind wir sehr dankbar.
Was waren für euch die eindrücklichsten Momente, die ihr mit der Laravel Association erlebt habt?
Serg: Für mich sind es vor allem die Begegnungen mit tollen Leuten und das Gefühl, Teil einer Community zu sein. Besonders bereichernd war es, einen Vortrag an einem Meetup (im Bild unten) zu halten. Auch wenn die Zeit knapp ist – besonders seit ich Vater geworden bin – würde ich das gerne öfter machen.
Stefan: Ein Moment, der mir besonders in Erinnerung geblieben ist, war, als ein Teilnehmer zum ersten Mal an einem Meetup teilnahm und sich bei uns überschwänglich dafür bedankt hat, dass wir eine Laravel-Veranstaltung in seiner Region organisiert haben. Er meinte, er würde nie nach Zürich oder Basel reisen, deshalb bedeutete ihm ein Event in seiner Nähe sehr viel. Solche Momente zeigen, dass sich der Aufwand, die Schweizer Laravel Community zusammenzubringen, wirklich lohnt.
Wie seht ihr Entwicklung von Laravel in den nächsten Jahren?
Stefan: Ich hoffe – und bin mir ziemlich sicher – dass Laravel in den nächsten zehn Jahren relevant bleibt. Laravel investiert stark in AI und kommerzielle Produkte, aber der Kern bleibt stabil. Wie man heute E-Mails verschickt, ist fast gleich wie vor zehn Jahren, und diese Stabilität ist eine grosse Stärke.
Serg: Laravel ist durch seine klaren Vorgaben besonders gut für AI-unterstützte Entwicklung geeignet. Weil die Struktur so eindeutig ist, können AI-Tools leichter wartbaren Code generieren. Zusammen mit Tools wie Laravel Cloud wird es einfacher denn je, Apps zu entwickeln und zu betreiben. Ich sehe eine sehr vielversprechende Zukunft.
Welchen Rat würdet ihr jemandem geben, der heute mit Laravel startet?
Serg: Einfach anfangen! Die Dokumentation ist exzellent; das ist eine der grössten Stärken von Laravel. Nutzt moderne Tools, auch AI, um Fragen zu stellen und zu lernen, aber bleib neugierig und versuche zu verstehen, was im Hintergrund passiert.
Stefan: Lerne zuerst die Grundlagen von PHP, lies die Laravel-Dokumentation von Anfang bis Ende und baue dann etwas, das ein echtes Problem löst. Und am wichtigsten: Tritt der Community bei, teile deine Projekte und lerne von anderen.