Was müssen in der Schweiz tätige Fintech-Unternehmen bei der Wahl eines Cloud-Providers beachten?
FINMA-Vorgaben, projektspezifische Compliance-Anforderungen und das wachsende Bedürfnis von Finanz- und Versicherungsunternehmen nach mehr digitaler Souveränität: Für Fintech-Unternehmen ist die Wahl der Cloud-Infrastruktur weit mehr als eine technische oder finanzielle Entscheidung.
Für FINMA-beaufsichtigte Fintechs kann die dauerhafte Auslagerung wesentlicher IT-Funktionen an einen Cloud-Provider unter das FINMA-Rundschreiben 2018/3 fallen. Schweizer Datenhaltung, ISO-zertifizierte Prozesse und ein lokal ansässiger Cloud-Provider können die Umsetzung der regulatorischen und datenschutzrechtlichen Anforderungen vereinfachen. «Insbesondere Datenflüsse, rechtliche Zuständigkeiten und Zugriffswege lassen sich mit einem Schweizer Cloud-Provider oftmals transparenter nachvollziehen und kontrollieren», sagt Roman Schweizer, CEO von Xelon mit über einem Jahrzehnt Erfahrung in der Cloud-Branche.
Viele Schweizer Unternehmen begegnen US-amerikanischen Cloud-Anbietern wie AWS, Google und Microsoft heute mit wachsender Skepsis. Ein wichtiger Punkt dabei ist der CLOUD Act (Clarifying Lawful Overseas Use of Data Act), der 2018 in den USA verabschiedet wurde. Die US-Hyperscaler können damit zur Herausgabe von Daten verpflichtet werden – und zwar unabhängig davon, wo diese physisch gespeichert sind. Für Fintech-Unternehmen, die sensible Finanzdaten verarbeiten und als Technologiepartner von Banken oder Versicherungsunternehmen auftreten, bleibt der mögliche extraterritoriale Zugriff ein relevantes Risiko. Ein souveräner Schweizer Cloud-Provider ohne relevanten US-Rechtsbezug untersteht diesem Zugriffsregime nicht.
Der Verbleib von Daten in der Schweiz kann deshalb regulatorische und datenschutzrechtliche Komplexität reduzieren. Grenzüberschreitende Datenübermittlungen, zusätzliche vertragliche Garantien oder Abklärungen zum Rechtssystem eines Drittstaates lassen sich je nach Konstellation vermeiden. Schweizer Datenhaltung allein garantiert allerdings noch keine Compliance. Entscheidend bleiben die gesamte Verarbeitungskette, mögliche Fernzugriffe, die eingesetzten Unterauftragnehmer und die konkrete vertragliche Ausgestaltung.
Auch im Verkaufsprozess gewinnt der Datenstandort an Bedeutung. Banken, Versicherungen und andere regulierte Unternehmen verlangen von ihren Technologiepartnern immer häufiger detaillierte Angaben dazu, wo ihre Daten gespeichert und verarbeitet werden, welche Unternehmen Zugriff erhalten können und welchem Recht diese unterstehen. «Wir beobachten, dass Schweizer Unternehmen zunehmend darauf achten, mit wem sie zusammenarbeiten. Fragen wie ‹Wer geht ans Telefon?› und vor allem ‹Wo werden meine Daten verarbeitet?› gewinnen an Bedeutung. Die aktuelle geopolitische Situation hat dieses Bewusstsein zusätzlich geschärft. Die Herkunft einer Tech-Lösung ist für viele Unternehmen heute nicht mehr nur eine Marketingbotschaft, sondern Teil ihres Risikomanagements», bestätigt Christian Walter, Managing Partner bei swiss made software.
Das sind Schweizer Cloud-Alternativen zu Hyperscalern
Die Schweizer Cloud-Branche bietet heute moderne IT-Infrastruktur auf Augenhöhe mit globalen Anbietern – allerdings in den meisten Fällen ergänzt durch bessere Compliance-Garantien, Preistransparenz, lokalen Support und User-Freundlichkeit. Hier finden Fintech-Unternehmen, denen Hyperscaler zu riskant sind, eine Übersicht von Schweizer Cloud-Alternativen zu den globalen Clouds von Hyperscalern.
Die Cloud-Anbieter sind alphabetisch geordnet, es handelt sich nicht um eine Rangliste.
Cloudscale
Als Entwickler-freundlicher Schweizer Cloud-Provider setzt Cloudscale auf einfache Bedienung, schnelle Bereitstellung und High-Performance-Storage (NVMe). Cloudscale fokussiert jedoch auf Linux-Umgebungen und ist somit nicht ideal für Windows-basierte Workloads oder komplexe Enterprise-Szenarien.
Exoscale
Mit Rechenzentren in der Schweiz und ganz Europa bietet Exoscale Cloud-Dienste wie VMs, Kubernetes und Objektspeicher. Darum ist Exoscale besonders geeignet für Cloud-native Anwendungen und europäische Fintech-Unternehmen mit DSGVO-Anforderungen.
Green Virtual Datacenter Pro
Green bietet virtuelle Schweizer Rechenzentren mit Fokus auf Benutzerfreundlichkeit und Performance. Die Infrastruktur ist energieeffizient und vollständig in der Schweiz gehostet. Dank direkter Verbindungen zu Colocation- und Hyperscaler-Diensten eignet sich Green auch für hybride Cloud-Setups.
Infomaniak Public Cloud
Die kosteneffiziente OpenStack-Cloud von Infomaniak ist ebenfalls in der Schweiz gehostet und zeichnet sich aus durch starken Nachhaltigkeitsfokus. Für produktive und regulierte Workloads sollten Fintechs die SLAs, Supportmodelle und Leistungsgrenzen der jeweils bezogenen Cloud-Dienste einzeln prüfen.
Swisscom Dynamic Computing Services
Als grösster Telekom-Anbieter der Schweiz bietet Swisscom eine hochregulierte Cloud-Plattform mit Fokus auf Enterprise-Kunden. Hybrid-Cloud-Optionen und Integration mit Azure & AWS sind verfügbar, allerdings zu einem höheren Preis und mit komplexeren Kostenstrukturen als bei kleineren Cloud-Providern.
Xelon
Die benutzerfreundliche Cloud-Lösung aus ISO-zertifizierten Schweizer Rechenzentren kombiniert die für in der Schweiz aktiven Fintech-Unternehmen zentrale Datensouveränität mit transparenten Cloud-Preisen und schneller Bereitstellung. Xelon unterstützt sowohl Windows- als auch Linux-Systeme sowie Kubernetes und eignet sich damit für eine Vielzahl von Anwendungsfällen.
Unsere Cloud-Spezialisten zeigen euch gerne, wie ihr mit einer Schweizer Cloud von Xelon höchste Compliance- und Datensicherheitsanforderungen einfach und zuverlässig erfüllt.
Hier könnt ihr ein unverbindliches Beratungsgespräch vereinbaren.
Gut zu wissen: Schweizer Clouds sind nicht zwingend teurer als globale Clouds
Auf den ersten Blick wirken internationale Cloud-Angebote oft günstiger als eine Schweizer Cloud-Lösung. Die Einstiegspreise scheinen attraktiv und die Einstiegshürden niedrig. Mit der Zeit zeigt sich jedoch häufig ein differenzierteres Bild. Kosten für Datenverkehr, zusätzliche Services, Monitoring oder Support kommen schrittweise hinzu und sind nicht immer sofort ersichtlich. Gerade wenn Teams wachsen, Kundenstämme grösser werden oder sich die Anforderungen an die Cloud-Infrastruktur verändern, entsteht eine Komplexität, die sich auch in der Kostenstruktur widerspiegelt. So kann es zu unangenehmen Überraschungen kommen, wenn die monatliche Abrechnung höher ausfällt als geplant und nur schwer nachvollziehbar ist. Deshalb lohnt es sich, nicht nur auf den Einstiegspreis zu achten, sondern die Gesamtkosten über die Zeit hinweg zu betrachten und die Preisstruktur genau zu verstehen.